Everything changes when you get lost in music
by Andreas Boettcher on July 28th, 2010

Das Debütwerk der Regisseurin Amy Grill feierte erst vor kurzem in Berlin die Deutschlandpremiere, zeitgleich mit dem DVD-Release. Wie sie selber sagt, ist es eine etwas andere Dokumentation über elektronische Musik, in der es eher um die Menschen in dieser Subkultur geht, als nur um Musik. In der 3-jährigen Enstehungszeit begleitete sie mit ihrem Mann DJs, Produzenten, Labelchefs, allesamt Lost in Music und in der Szene lange keine Unbekannten mehr. Speaking in Code wird jetzt auch vom Videoportal 3min in Schnipseln unter die Leute gebracht. Mittwochs, freitags und montags erscheint jeweils eine neue Folge. Wer diese Leidenschaft noch nicht teilt, so Musik zu machen und zu leben, dass es in Fleisch und Blut übergeht, der kann das Geheimnis eventuell mit Hilfe dieser Doku entschlüsseln.
The Sixties: Turn On , Tune In , Drop Out
by Andreas Boettcher on June 15th, 2010

Im letzten Sommer wusste der Kultursender die Achtziger zu huldigen um sich jetzt, noch weiter zurück in der Zeit, den Anfängen des Rock & Roll zu widmen. Arte Summer Of The Sixties wird jeden Donnerstag im Juli und August sowie an ausgewählten Sonntagen gesendet. Mit Spielfilmen aus den 60ern, Dokumentationen und Musik. Von Elvis, Janis und dem Swingin’ London bis zu Jet Set, Surferwelle und Vietnamkrieg. “Ein popkultureller Blick auf ein bewegtes Jahrzehnt im Umbruch”, wie Programmdirektor Christoph Hauserg die Reihe beschreibt. Empfehlung: Die Doku am 19. August über den Konflikt zweier Subkulturen - Mods versus Rocker. Eine Rivalität, die doch irgendwie immer aktuell bleibt. Hot Town, Summer in the City!
Die britische Jugend von heute
by Jan Schimmang on April 6th, 2010

In Großbritannien längst ein Millionen-Seller, Quotengarant, vermarktet bis in die letzte Sequenz: die Serie “Skins”, mittlerweile in der vierten Staffel. Überzogen, unrealistisch, gehyped - und doch dramatisch berührend. Was konzipiert ist für die Zielgruppe 13 bis 20 Jahre, funktioniert erschreckend gut über jede Altersgrenze hinaus. Es geht um Liebe und Tod, um Wahnsinn und Freundschaft - und den schnöden Alltag dazwischen. Immer auf den Punkt inszeniert, im richtigen Moment erklingt “Said the people” von Dinosaur Jr., den falschen gibt es hier eh nicht: die Protagonisten erscheinen in jeder Sekunde als Personifizierung des hippen Lifestyles, der Traum eines jeden Werbe-Klischees. Dennoch verleihen Plot und Schauspiel der Serie einen beeindruckende Tiefe. Ein bunter Teenie-Geburtstag, in dem der Ernst des Lebens erklärt wird - auch Erwachsene sind eingeladen.
Derzeit arbeiten die Produzenten angeblich an einem Spin-Off im Kinoformat; die komplette Serie ist via UK-Import auf DVD erhältlich.
Hero de Niro
by Andreas Boettcher on March 15th, 2010

Manchmal sind die wirklich genialen Momente eines Films nicht im Script zu finden. So auch bei einem der bekanntesten Filmzitate aller Zeiten “You talkin’ to me?” aus Taxi Driver (1976). Das Drehbuch von Paul Shrader sah eigentlich nur folgendes vor: “Bickle speaks to himself in the mirror.” Regisseur Martin Scorsese überließ dem Soziopath Travis Bickle alias Robert De Niro somit die Situation. Und es hat sich ausgezahlt. In dem schäbigen Apartment übt Bickle mit dem gebastelten Ärmel-Holster vor dem Spiegel für sein Attentat auf einen Politiker. Er blickt in sein Spiegelbild, posierend, immer wiederholend: “You talkin’ to me?”. Der Moment, verstörend und zugleich faszinierend, gibt Einblick in den Charakter und es ist ein Zitat geboren, das in die Annalen der Popkulturgeschichte eingegangen ist.
“Upside Down” - Der Film über Creation Records
by Jan Schimmang on March 3rd, 2010

Die Legende besagt, dass Alan McGee sofort begriff, dass dies ein wichtiger Moment für die Rockgeschichte ist - oder zumindest in die Analen der britischen Popkultur eingehen wird. Es war 1993 in Manchester, ein Club namens Boardwalk. Auf der Bühne spielten Musiker, die ihre Instrumente mäßig, aber effektiv beherrschten. Durchschnittliche Songs, aber McGee spürte die Magie: Der Gitarrist blickte missmutig auf die wenigen Zuschauer, der Sänger wirkte damals in seiner Knabenschönheit fast feminim, bewegte sich kaum - und gab seinem Gesang eine unverwechselbare Tonalität, in dem er die Vokale entgegen jeder Konvention dehnte.
Es war nicht die erste und auch nicht die letzte Band, die Alan McGee einen Plattenvertrag unterschreiben ließ. Creation Records bleibt auf ewig legendär, existierte von 1983 bis 2000. Primal Scream, My Bloody Valentine oder Ride veröffentlichen darauf ihre Alben - The Jesus And Mary Chain ihre Debüt-Single. Das Label prägte die britische Musiktradition der Gegenwart wie kein zweites. Es ging zugrunde an den üblichen Verdächtigen - einem finanziellem und strategischem Missmanagement, Selbstüberschätzung und den persönlichen Problemen des McGee: “The Ecstasy Romance Cannot Last”.
Der Film “Upside Down” wird im Frühling ins Kino kommen. Regisseur Danny O’Connor zum Guardian:
“No one does excess like Creation, no one does great records like Creation. It was an indie, but it didn’t wear a cardigan, it didn’t apologise. There was a real power in its punch. If you think that rock’n'roll is all about swagger — this is your film.”
Lost in the Eighties
by Andreas Boettcher on October 7th, 2009

Die immer lesenswerten Zeitgeschichten von einestages, man denke nur daran, wecken dieses mal Erinnerungen an eine Schauspieltruppe, die gemeinhin als Brat Pack bekannt war. Beginnend mit Francis Ford Coppolas The Outsiders, prägten Filme wie Ferris Buellers Day Off, The Breakfast Club und Less Than Zero durch sozialen Einfluss der stereotypischen Charaktere die amerikanische Jugendkultur der Achtziger Jahre. Anders als später bei der zerbrechlichen Grunge-Generation um Winona Ryder und Ethan Hawke, ging es Abseits der Scheinwerfer noch um übertriebene Selbsdarstellung und dem Rockstar Lifestyle. Rob Lowe quotes:“When I was young and crazy, I was young and crazy.” Für nostalgische thirtysomethings: Einmal Hollywood und zurück.
Paul Kalkrenner zwischen modernem Märchen, Sittengemälde und Zeitportrait.
by Andreas Boettcher & Jan Schimmang on September 25th, 2009

Seit kurzem mit Bonus-Material auf DVD erhältlich: In “Berlin Calling” geht es ums Berliner Nachtleben, aber auch um viel mehr. Freundschaft. Scheitern. Exzess. Leidenschaft. Liebe.
Paul Kalkbrenner, der auch den Soundtrack produziert hat, spielt bekanntlich nicht sich selbst - eben nur ein bisschen. Der Protagonist spricht im Interview über die Sexszene, Drogen und warum man dramaturgisch etwas übertreiben darf.
The Informers: Geldgier ist gut, Sex kein Problem und die Jugend für die Ewigkeit.
by Jan Schimmang on September 3rd, 2009

“The Informers” von Bret Easton Ellis aus dem Jahre 1994 ist, was den Flow der Handlung betrifft, nicht unbedingt leichte Kost: dezent miteinander verwobene Stories verschiedener Charaktere. Kein in sich geschlossener Roman, streng genommen aber auch keine Kurzgeschichtensammlung. Ein Hybrid, mit vagen Ausflügen ins Surrealistische. Dennoch ist die Verfilmung des Werks seit kurzem in den amerikanischen Kinos zu sehen - u.a. mit Mickey Rourke, Kim Basinger und einem stimmigem Soundtrack. Für viele nur ein weiteres belangloses Kapitel aus der kranken Welt des Autors. Für allen anderen: auch genau das - nur eben nicht belanglos, sondern dramaturgisch auf den Punkt inszeniert.
Ein Tag im Leben
by Andreas Boettcher on September 1st, 2009

Das ehrgeizigste und innovativste Programm, dass die Fernsehsparte des RBB bis dato präsentiert, wird am Samstag um 6 Uhr früh gestartet. “24h Berlin” heißt das Projekt, das gemeinsam mit Arte und Partnern in Angriff genommen wurde. Vor exakt einem Jahr waren rund 80 Kamerateams in der Hauptstadt unterwegs, um diese eins zu eins aufzunehmen. Von Currywurstbude bis zum Champagnerempfang, vom Immobilieninvestor bis zum Hartz IV-Empfänger, von der Grunschülerin bis zum stadtbekannten DJ. 24 Stunden lang. Von 6 bis 6 wird das Programm übertragen und auch in der Stadt bei über 30 Public Screenings an keinem vorübergehen. Ein Stück Zeitgeschichte, die man vielleicht erst in 10-50 Jahren richtig zu schätzen weiß.
Welcome To The Eighties
by Andreas Boettcher on August 10th, 2009

“Wer sich an die Achtziger erinnert, hat sie nicht erlebt.”, pflegte Falco einst zu sagen. Arte greift den Unwissenden ab Dienstag drei Wochen lang mit der 6-teiligen Reihe unter die Synapsen und ist nach Senderangaben “die erste umfassende TV-Darstellung der musikalischen Entwicklung der 80er Jahre”. Klingt spannend. Wer also auf den Punkt genau wissen will, wie das mit der Entstehung von Jugendkulturen so war und welcher Kleidungscode als flippig auffiel, ist hier richtig. In allen Sendungen kommen wichtige Protagonisten der Szene zu Wort, wie Inga Humpe und Gabi Delgado in der 1. Folge “Postpunk & Neue Deutsche Welle” gefolgt von der 2.Folge “Synthie-Pop & New Romantic”.
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